Pilzbestimmen

Vom Klima her war das Jahr 2015 sehr speziell. Nach einem bereits überaus milden Frühling bekamen wir einen sehr heissen Sommer zu ertragen. Die wenigen Niederschläge reichten nicht für ein Pilzwachstum wie in anderen Jahren. Speisepilze waren erst recht selten.
In dieser Zeit mag ich mich an eine einzige kurze Zeitspanne erinnern, wo Speisepilze in unserer Gegend plötzlich erschienen. Aber das scheinbar auch nur sehr lokal, wie zum Beispiel im Raum Thun. An anderen Standorten war wenig zu sehen, höchstens ein paar wenige Steinpilze, die wohl durch ihr grosses Wurzelgeflecht noch gerade genügend Feuchtigkeit sammeln konnten. Diese Zeit dauerte an bis Mitte September. Danach kühlte es ab und es regnete vermehrt. Der November war dann wiederum extrem mild. Mit mehr Regen hätte man dann noch viele Pilze ernten können.
Alles in allem gesehen gab es wenig Röhrlinge, vor allem sehr wenig Steinpilze, was auch in der Pilzkontrolle auffiel. Eierschwämme bekam man hingegen wiederum recht viele zu Gesicht. Was mir auffiel: Ich fand mehr als einmal Karbolchampignons, vorher jahrelang nicht mehr. Unter anderem auch den Perlhuhn-Karbolchampignon, der dann auch an einem Bestimmungsabend auflag.
Zweimal fiel der Bestimmungsabend ins Wasser oder besser gesagt in die Hitze. Draussen vor dem Restaurant bei tropischer Temperatur war’s trotzdem gemütlich: man widmete sich dann halt den „Henkelröhrlingen“. An den restlichen vier Bestimmungsabenden haben wir 143 verschiedene Pilzarten bestimmt, dabei mindestens vier Arten das erste Mal. Als Speisepilz hatten wir neu den Blutroten Röhrling. Und wenn’s nicht der Blutrote Röhrling (Boletus rubellus) war, dann zumindest ein naher Verwandter. So oder so: auf jeden Fall essbar.
Gerade bei den Röhrlingen ist in der Pilzsystematik viel im Umbruch. Heute stehen der Wissenschaft Methoden zur Verfügung, die Pilze molekulargenetisch genau zu untersuchen. Verwandtschaften der Pilze zueinander können bewiesen oder aber auch in Abrede gestellt werden. So entstehen neue Pilznamen, andere Pilze werden zusammengefasst. Uns als Amateur-Pilzbestimmende betrifft das nur am Rande. Trotzdem finde ich es wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind.
Kurt Schumacher

Bestimmungsabend 2 vom 13. Juli
Dieser Samtfusskrempling-Zwilling war der einzige Pilz an diesem Bestimmungsabend...