Pilzbestimmen

Das Jahr 2016 zählte in der Schweiz wieder einmal zu den wärmsten Jahren seit Messbeginn. Hierzulande war es 0,7 Grad wärmer als im langjährigen Schnitt. Der Sommer kam zwar erst im Juli, verweilte dann aber mit ungewöhnlicher Wärme bis im September, der als wärmster seit Messbeginn 1864 in die Annalen einging. Ab Oktober war es sehr kalt – bis zur langen Föhnperiode im Dezember. Auffallend aber war auch der kühle und niederschlagsreiche Frühling, der einige Pilze hervorbrachte, die normalerweise im Herbst erscheinen. Auch die Morcheln haben sich letztes Jahr wohl gefühlt.

Auch in der Welt der Pilze wird langsam deutlich, dass sich das Klima verändert. Bei Bestandsaufnahmen hat man krasse Veränderungen festgestellt. Arten, welche vor 20 Jahren auf einer gewissen Höhe wuchsen, sind verschwunden. Sie sind – wenn überhaupt noch – weiter oben, also in grösserer Höhe anzutreffen, versuchen sich also dem Klima anzupassen. Da es sehr viele sehr seltene Pilzarten gibt, welche auf ihr zugeschnittenes Biotop angewiesen sind, muss man davon ausgehen, dass die Biodiversität, also die Artenvielfalt, weiter und schneller zurückgehen wird. Die Pilze haben sich in einer sehr langen Zeitspanne zu einzelnen Individuen entwickelt. Was in Millionen Jahren entstand, kommt plötzlich in ein paar Jahrzehnten enorm unter Druck. Nun, es ist dabei auch logisch, warum wärmeliebende Arten in unseren Breitengraden plötzlich heimisch werden. Aus dieser Sicht unlogisch verhält sich eine nördliche Art, der Leuchtende Weichporenschwamm. Früher bei uns sehr selten, trifft man diesen Holzpilz nun plötzlich häufig an, nicht selten zusammen mit dem Rotrandigen Baumschwamm.

Wir haben im Verein an 7 Pilzbestimmungsabenden 164 Arten bestimmt. Zu denken gab ein Reizker ohne Lamellen. Statt Lamellen wies er auf der Unterseite lediglich so einen weisslichen Belag auf. Solche Exemplare werden als Steinreizker bezeichnet. Sie sind von Hypomyces lateritius, dem Steinreizker-Kernpilz, befallen. Sie sollen unschädlich sein, aber wegen dem bitteren Geschmack im Gaumen nicht empfehlenswert. Wir durften auch wieder einmal das Goldblatt zu Gesicht bekommen. Eine Pilzart, die eigentlich mit den Röhrlingen verwandt ist und von oben auch einen Röhrling vortäuscht. Pflückt man ihn und betrachtet ihn von unten, sieht man aber, dass die Fruchtschicht lamellenartig ausgebildet ist.
Kurt Schumacher